Die kurze Antwort: Entscheidend ist, wen ihr erreichen möchtet
Ein Imagefilm stellt euer Unternehmen und seine Leistungen vor. Ein Recruitingvideo zeigt, wie es ist, bei euch zu arbeiten und warum sich jemand bei euch bewerben sollte. Beide können Mitarbeitende und Arbeitsabläufe zeigen. Der Unterschied liegt in den Fragen, die der Film für seine Zuschauer beantwortet.
- Imagefilm: Was macht dieses Unternehmen und warum passt es zu unserem Vorhaben?
- Recruitingvideo: Welche Aufgaben erwarten mich und passt dieser Arbeitgeber zu mir?
Legt deshalb zuerst Zielgruppe und Ziel fest. Erst danach entscheidet ihr über Motive, Interviews, Länge und die passenden Fassungen für Website oder Social Media.
Wann ein Imagefilm die passende Wahl ist
Ein Imagefilm ist sinnvoll, wenn Kunden, Geschäftspartner oder andere Interessierte euer Unternehmen besser verstehen sollen. Er kann zeigen, welche Leistungen ihr anbietet, wie ihr arbeitet und welche Menschen dahinterstehen. Für erklärungsbedürftige Leistungen hilft es, konkrete Abläufe sichtbar zu machen, statt nur allgemeine Aussagen über Qualität und Erfahrung aneinanderzureihen.
Ein Unternehmensfilm muss dabei nicht jede Abteilung vorstellen. Auch ein einzelner Auftrag kann im Mittelpunkt stehen: Was war die Aufgabe? Wie setzt ihr sie um? Welche Leistung erbringt euer Unternehmen dabei? Wenn ihr hauptsächlich einen Auftrag oder eine bestimmte Leistung erklärt, kann die Bezeichnung Projektfilm oder Leistungsfilm genauer sein als ein allgemeiner Imagefilm.
Ein Beispiel aus meiner Arbeit für Wallenius Wilhelmsen
Bei einem Film für Wallenius Wilhelmsen habe ich die Verladung eines Generators in Bremerhaven begleitet. Ziel war es, die Leistung des Unternehmens bei diesem Auftrag zu zeigen. Dafür wurden sowohl die technische als auch die vertriebliche Seite und die zugehörigen Arbeitsabläufe erläutert. Ein Mitarbeiter erklärte die technische Perspektive.
Ich habe bei dieser Produktion Konzept, Dreh, Interviews und Schnitt übernommen und die Drohnenflugfreigabe organisiert. Der Film verbindet damit die gezeigte Arbeit mit den Erklärungen der Beteiligten. Für den Zuschauer wird nachvollziehbar, welche Leistung hinter dem Auftrag steht.
Für eure Planung lässt sich daraus eine Frage ableiten: Welche konkrete Aufgabe zeigt am besten, was euer Unternehmen leistet? Gerade bei technischen Themen kann ein verständlich erklärtes Beispiel hilfreicher sein als eine lange Aufzählung des gesamten Angebots.
Generatorverladung in Bremerhaven für Wallenius Wilhelmsen – mit Einblicken in die technischen Abläufe und die vertriebliche Perspektive. Konzept, Dreh, Interviews und Schnitt: Tommy Döscher.
Wann ihr ein Recruitingvideo braucht
Ein Recruitingvideo richtet sich an Menschen, die bei euch arbeiten könnten. Im Mittelpunkt stehen die Mitarbeitenden, ihr Arbeitsalltag und die Frage, warum jemand Teil des Unternehmens werden sollte. Dafür müssen Bewerber mehr erfahren als euren Firmennamen und eure Leistungen.
- Welche Aufgaben übernimmt die gesuchte Person tatsächlich?
- Wie sehen Arbeitsplatz, Arbeitsmittel und Zusammenarbeit aus?
- Was sollten Interessierte vor einer Bewerbung wissen, etwa über Einsatzorte oder Arbeitszeiten?
- Was schätzen Mitarbeitende konkret an ihrer Arbeit?
- Wie geht es nach dem Video zur passenden Stelle oder Bewerbung weiter?
Ein sichtbares Team macht aus einem Imagefilm noch kein Recruitingvideo. Entscheidend ist, ob der Inhalt die Fragen der Bewerber beantwortet. Statt austauschbarer Aussagen wie „Wir sind ein tolles Team“ helfen nachvollziehbare Beispiele aus dem Arbeitsalltag.
So könnte ein Recruitingvideo aufgebaut sein
Das folgende Konzept ist ein fiktives Planungsbeispiel für einen Logistikbetrieb. Es beschreibt keinen von mir umgesetzten Kundenauftrag.
- Mit einer echten Aufgabe beginnen: Der Film zeigt eine typische Tätigkeit der ausgeschriebenen Stelle, damit Interessierte den Beruf einordnen können.
- Eine Person aus dem Team vorstellen: Ein Mitarbeiter erläutert in eigenen Worten seine Aufgaben und was ihm dabei wichtig ist.
- Zusammenarbeit sichtbar machen: Passende Arbeitsszenen zeigen, wer zusammenarbeitet und wie die Übergaben zwischen Kollegen ablaufen.
- Erwartungen konkret benennen: Informationen zur Stelle werden mit dem Unternehmen abgestimmt. Gezeigt und genannt wird nur, was für die tatsächliche Tätigkeit zutrifft.
- Den nächsten Schritt anbieten: Ein klarer Hinweis führt zur passenden Stellenanzeige oder zum Bewerbungskontakt.
Dieses Grundgerüst muss zur jeweiligen Stelle passen. Ein Film für eine gewerbliche Tätigkeit braucht andere Einblicke als ein Film für Vertrieb oder Verwaltung. Der Nutzen entsteht durch die konkreten Informationen, nicht durch ein starres Schema.
Drei Fragen für eure Entscheidung
1. Wer soll den Film sehen?
Soll ein potenzieller Kunde eure Leistung verstehen, spricht das für einen Image-, Leistungs- oder Projektfilm. Soll sich eine geeignete Person mit einer Stelle beschäftigen, braucht sie Einblicke in Aufgaben und Arbeitgeber.
2. Was soll nach dem Anschauen passieren?
Für einen Imagefilm kann der nächste Schritt ein Projektgespräch oder eine Anfrage sein. Bei einem Recruitingvideo sollte er zur passenden Stellenanzeige oder Bewerbung führen. Diese Handlung hilft euch, den Inhalt zu gewichten.
3. Wo wird der Film eingesetzt?
Plant die tatsächlichen Einsatzorte: Startseite, Leistungsseite, Karriereseite, LinkedIn oder andere Social-Media-Kanäle. Daraus ergeben sich Anforderungen an Bildformat, Untertitel, Einstieg und zusätzliche Kurzfassungen. Eine lange Websitefassung lässt sich nicht immer sinnvoll durch bloßes Kürzen in ein kurzes Social-Media-Video verwandeln.
Können Imagefilm und Recruitingvideo zusammen entstehen?
Das lässt sich in der Vorbereitung prüfen. Drehorte, Arbeitsszenen oder einzelne Aufnahmen können für beide Ziele relevant sein. Interviews brauchen jedoch unterschiedliche Fragen: Für Kunden geht es etwa um die Umsetzung einer Leistung, für Bewerber um Aufgaben und Zusammenarbeit.
Wenn ihr beide Formate plant, sollten deshalb zwei klare Aussagen und die jeweils benötigten Szenen bereits vor dem Dreh feststehen. So könnt ihr prüfen, welche Aufnahmen sich gemeinsam produzieren lassen und welche zusätzliche Vorbereitung oder Drehzeit erfordern. Ob daraus ein gemeinsamer Drehtag wird, hängt vom tatsächlichen Umfang ab.
Was ihr vor einer Anfrage vorbereiten könnt
- Ziel: Welche Frage soll der Film beantworten und welchen nächsten Schritt soll er auslösen?
- Zielgruppe: Welche Kunden oder Bewerber möchtet ihr konkret erreichen?
- Inhalt: Welche Leistung, welcher Auftrag oder welche Stelle steht im Mittelpunkt?
- Menschen und Orte: Wer kann Auskunft geben und wo lassen sich die passenden Abläufe zeigen?
- Einsatz: Auf welchen Seiten und Kanälen braucht ihr welche Fassungen?
- Organisation: Welche Termine, Zugänge, Sicherheitsvorgaben und internen Freigaben sind zu berücksichtigen?
- Rahmen: Welches Budget und welcher gewünschte Veröffentlichungstermin stehen zur Verfügung?
Ein fertiges Drehbuch braucht ihr für eine erste Anfrage nicht. Eine verständliche Beschreibung eures Ziels und der vorgesehenen Verwendung ist ein guter Ausgangspunkt. Bei Dreharbeiten im laufenden Betrieb sollten Zuständigkeiten und mögliche Einschränkungen früh geklärt werden. Falls Drohnenaufnahmen sinnvoll sind, gehören auch deren Machbarkeit und erforderliche Freigaben in die Vorbereitung.
Wovon hängt der Aufwand ab?
Die Bezeichnung Imagefilm oder Recruitingvideo allein sagt wenig über den Produktionsaufwand aus. Entscheidend sind unter anderem Konzept, Zahl der Drehorte, Interviews, Drehtage, nötige Freigaben, Schnitt sowie zusätzliche Sprach-, Format- oder Kurzfassungen. Vergleicht Angebote deshalb anhand desselben Briefings und der vereinbarten Leistungen.
Wenn ihr ergänzend Unternehmensfotos plant, findet ihr in meinem Beitrag Mitarbeiterfotos planen eine Vorbereitungshilfe mit herunterladbarer Checkliste und Zeitplan.
Häufige Fragen zu Imagefilm und Recruitingvideo
Ist ein Imagefilm auch für die Personalsuche geeignet?
Er kann einen ersten Eindruck vom Unternehmen vermitteln. Für die Entscheidung über eine Bewerbung fehlen aber möglicherweise Informationen zu Aufgaben, Arbeitsplatz und Zusammenarbeit. Prüft deshalb, ob der vorhandene Film die Fragen eurer gewünschten Bewerber tatsächlich beantwortet.
Müssen die Mitarbeitenden Texte auswendig lernen?
Ein Interview lässt sich so vorbereiten, dass die Beteiligten in eigenen Worten antworten. Welche Fragen und welche Form der Vorbereitung sinnvoll sind, gehört ins Konzept. Ein glaubwürdiger Einblick braucht keine auswendig gelernten Werbesätze.
Wie lang sollte ein Unternehmensvideo sein?
Dafür gibt es keine passende Einheitslänge. Ein Film, der einen technischen Ablauf erklärt, benötigt einen anderen Rahmen als ein kurzer Einstieg für Social Media. Entscheidend ist, welche Informationen die Zielgruppe an diesem Einsatzort braucht.
Bringt ein Recruitingvideo automatisch mehr Bewerbungen?
Das lässt sich nicht versprechen. Neben dem Video spielen die Stelle, die Arbeitsbedingungen, die Verbreitung und der Bewerbungsweg eine Rolle. Ein klares Ziel hilft bei der Auswertung: etwa passende Rückmeldungen zur Stelle statt ausschließlich Videoaufrufe zu zählen.